Pudeltreffen

 

Ein Treffen der Glückspudelfamilie (und Ableger). Bei schönstem Sonnenschein an Main und Rhein entlang. Blacky trohnt in der Mitte - und man sieht ihm an: So nett das Treffen für die Menchen, so überflüssig fand er das. Aber was tut man nicht alles....
















Hier sieht man den Vergleich zu seiner Wurfschwester Ronja. Wo bei Blacky der Großpudel-Opa durchschlägt, ist Ronja deutlich kleiner geraten.

 

Mir hat das Treffen mal wieder Anlass zum Nachdenken gegeben. Dass Blacky auf große Gruppen und fremde Hunde inzwischen verzichten kann, ist mir ja schon öfter aufgefallen. Seine jugendliche Begeisterung für alle Artgenossen hat er defintiv verloren, ausgewählte Gassi-Kumpels sind ihm lieber, nur selten erwärmt er sich für neue Bekanntschaften. Nicht ungewöhnlich für einen erwachsenen Hund. Begegnungen mit fremden Hunden machen ihm aber auch nichts weiter aus. 

Außer es gibt Zoff. Blacky hat noch nie Streit angefangen, aber als unkastrierter Rüde wird er mitunter zur Zielscheibe für andere intakte Rüden. Dann möchte er weiträumig ausweichen und nie (NIE!) wieder irgendwas mit dem anderen zu tun haben.

Das ging aber diesmal nicht. Ich kann ja nicht einfach die ganze Gruppe stehenlassen... Oder? In den Tagen nach dem Treffen habe ich viel über meine Prioritäten, meine Verpflichtung gegenüber meinem Hund, über Vertrauen und Verlässlichkeit nachgedacht. 

Der erste Angriff kam - für mich - aus dem Nichts. Der zweite war mein Fehler: Blacky wollte Abstand halten, ich wollte ihn an dem (in meinen Augen ganz ruhig und brav absitzenden) "Feind" vorbeiführen - und Zack, zweiter Angriff. Klar, es war nur laut. Es gab keine Verletzungen. Ich konnte den Kerl am Halsband runterpflücken. Aber trotzdem: Hätte ich auf meinen Hund gehört, wäre das nicht passiert (bzw. wären wir schon längst wieder auf dem Heimweg gewesen...).

Spätestens danach war für Blacky der Spaß vorbei. Der ganze Hund war verhalten, gehemmt, musste die ganze Zeit Ausschau halten, sich ständig vergewissern, wo der andere ist - Frauchen war ja offensichtlich zu blöd dazu, den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Und zu höflich, darum zu bitten, den anderen Hund anzuleinen... 

Es ist nichts passiert. Es war alles halb so wild. Trotzdem hat es mich eine Menge Punkte auf dem Vertrauenskonto gekostet - das wurde mir später erst klar. Gott sei Dank habe ich mir, hoffe ich, in der Vergangenheit genug Punkte verdient, um mir das mal leisten zu können. 

ABER eins bleibt: Ich habe meinen Hund im Stich gelassen. Meine Priorität war, einen netten Nachmittag mit anderen Menschen zu verbringen, nicht unhöflich zu sein, nicht überermpfindlich zu wirken, kein Drama zu machen, mich nicht anzustellen. Auf Kosten des Hundes. Das musste ich mir im Nachhinein ganz klar eingestehen, und das hat mir einen Stich versetzt.

Ich denke, es ist kein Weltuntergang, wenn man die eigenen Bedürfnisse und Wünsche auch mal vorne anstellt. Aber man sollte dabei ehrlich bleiben und sich die ganze Geschichte nicht schön reden wollen. Sich nicht selbst eins von "das ist doch normal" oder "es ist ja kein Blut geflossen" erzählen. Es gibt sicherlich Hunde, die es problemlos abkönnen, sich mal mit einem anderen Hund zu zoffen. Blacky gehört nicht dazu. Er möchte ausweichen, und ich habe das nicht zugelassen. Punkt.

Auf der anderen Seite hat mich das Ganze wieder bestärkt in meiner Strategie. Kein "Die machen das unter sich aus". Meine Devise ist und bleibt: "Bei mir bist du sicher!" 
Auch, wenn ich diesmal versagt habe.... 

Das richtige Werkzeug ist alles

Ja, ja, was weiß ich schon über Hundesport. Alles ganz sanft, total nett zum Hund. 
Dabei bin ich nicht mal jemand, dem alles immer nur aus Zuckerwatte sein muss. Aber wenn ich solche Beschreibungen (von der Webseite des irgendwie total berühmten Ausbilders Bart Bellon) lese... Na, ratet mal, um was es hier geht:

"For people who appreciate fine design, as well as for people who want to stay out of political snares, and all people who just want to train their dog and want their remote trainer to be inconspicuous and desire to answer no more questions about their tools."

"Für Menschen, die schönes Design mögen, und für Menschen, die sich politischen Fallstricken entziehen möchten, und für alle, die nur ihren Hund trainieren möchten und ihren Ferntrainer unauffällig haben möchten, und die keine Fragen mehr über ihre Werkzeuge bantworten möchten."

Ja, ein unsichtbares Elektro-Halsband. Kein hässliches Kästchen mehr, sondern ein elegantes, schmales, anschmiegsames Halsband. Für bessere Kommunikation mit dem Hund. Toll, das.

Ich mags hier nicht verlinken, aber Google hilft, wenn man mehr rausfinden möchte.

Drauf gekommen bin ich, weil ich herausfinden wollte, was hinter der so drollig benamsten Methode "NePoPo" steckt

Neues vom Futtertester

*Für diesen Artikel habe ich Produkte von den Händlern zur Verfügung gestellt bekommen*

Erinnert sich noch jemand an meine BARF-Katastrophen? 
Platz 1, die Blutlache im Postamt?
Ein schlampig verpacktes Paket, undichte Fleischpackungen, es war so eklig. Ein knappes "Kann nicht sein" vom Versandhandel auf meine Beschwerde. Kein Ersatz, keine Entschuldigung. Das wars dann für mich mit TK-BARF per Post!

Vor ein paar Wochen kam die Anfrage eines anderen BARF-Versandhandels, ob ich ein Testpaket zugeschickt haben möchte. Okay, probieren wir es nochmal!

Auf und Ab

Nach dem gestrigen Frust-Erlebnis heute das komplette Gegenteil. Blacky hat mir im Wald völlig entspannt zwei Rehe angezeigt.
Die Tiere standen etwa 150 Meter weit weg mitten auf dem Weg - ich hätte sie gar nicht bemerkt, wenn Blacky nicht hingesehen hätte. Völlig ohne Anstalten, loszurennen, auch als die Rehe dann davonsprangen. Statt dessen hat er sich seine wohlverdiente Leberwurst abgeholt - erst meine Tube leergeschleckt, und dann hat das Frauchen seiner Hundekumpelin noch ihre halbe Tube spendiert. Danach sind wir ohne Leine weiterspaziert, an der Stelle vorbei, an der die Rehe in den Wald verschwunden sind.

Es geht also doch!

Die beiden Erlebnisse an zwei Tagen hintereinander zeigen mir wieder mal überdeutlich: der Schlüssel (bei diesem Hund bzw. diesem Hundetyp) liegt in der Ansprechbarkeit. Ist der Hund entspannt und nicht "hochgedreht", kann er dem stärksten Reiz widerstehen. Ist er ohnehin schon gepusht, wie man im Neu-Hundedeutsch sagt, braucht es nicht mal einen Reiz.

Deutlicher hätte mein Hund mir das nicht klarmachen können.

Arschkeks

Damit ich mich nach dem großen Frohlocken über die Anti-Jagd-Fortschritte meines Flitzepudels nicht in falscher Sicherheit wiege, ist mir der Arschkeks dann heute mal abgehauen. Seit Monaten zu ersten Mal (ich weiß nicht mehr, wann das zuletzt passiert ist).

Wir waren unterwegs mit den Pferden und schon auf dem Rückweg, aber nach eineinhalb Stunden mit viel flottem Trab hat die Energie noch gereicht, mit Vollgas ins Gebüsch abzudampfen. Ob da Wild war oder nicht - keine Ahnung.

Wir haben dann ca 5 Minuten gewartet. Ich dachte ja, es wäre länger... viel länger... gewesen, zieht sich ja wie Kaugummi. Man denkt über Suchanzeigen auf Facebook nach, über Zettel an den Bäumen, nächtliche Suchaktionen, es dämmert ja sogar schon.... kommt einem wie Stunden vor. Aber die Begleitung meinte, es wäre eher sogar weniger als 5 Minuten gewesen.

Dann kam der Pudel, endlich, ziemlich feddisch angeschlichen, voller Kletten, mit hängendem Schwanz - die Erleichterung, dass Frauchen noch da ist, ins Gesicht geschrieben. Hmmpf. Nach Hause gings dann an der Leine.

Das Gute an solchen Aktionen: Man lernt (hoffentlich) aus seinen Fehlern. Blacky ist vorher schon zweimal kurz vom Weg runter, liess sich zwar zurück rufen - aber daran hätte ich sehen müssen, dass er zu aufgeregt ist. Ich musste ihn häufig rufen und immer wieder ausbremsen, er liess sich nicht neben oder hinter den Pferden halten, sondern wollte immer vorbei, generell ist das Laufen mit mehreren Pferden für ihn viel emotionaler und energiegeladener, als wenn wir alleine sind - wenns knackig kalt und die Pferde flott sind, sowieso.

Tja, das fiel mir ja auch auf. Man ist ja nicht ganz blöd. Aber doch ein bisschen... "Eine Trabstrecke noch, da vorne leine ich an!" Sprachs und sah den Hund verschwinden. Er versteht halt jedes Wort, will man meinen.

Fazit: Wenn man denkt: Oh, der Hund ist aufgedreht, GLEICH sollte ich anleinen - dann sollte man besser SOFORT anleinen.

PS: Mancher möchte mich bestimmt hauen und schimpfen, dass ich den Hund trotzdem frei laufen lasse - und man überlegt sich natürlich, ob man solche Sachen überhaupt öffentlich schreiben soll. Aber ich finde, es gehört einfach dazu, dass mal was schief läuft.  Es gibt solche und solche Tage, und das wird immer so sein.

Gefahren lauern überall

Heute morgen laufe ich quer über den großen Parkplatz, um ins dahinter liegende Wäldchen zu kommen - und werde beinahe von einem riesigen Abschleppwagen über den Haufen gefahren. Der Typ hat mich nicht - bzw. erst ziemlich spät - gesehen. Meinen Hund hätte er garantiert noch viel weniger gesehen, wäre er 5 Meter entfernt von mir an der Flexi rumgestromert.

Sowas sehe ich jeden Tag, und es läuft mir echt kalt den Rücken runter. Herrchen hier, Hund dort, dazwischen 5 Meter dünne, unsichtbare Schnur.

Auf Parkplätzen (und sowieso überall, wo Verkehr ist), gehört kein Hund an die Flexi, und wenns denn unbedingt sein muss, dann bitte: ganz kurz und Stoppknopf rein. Genauso wie man (hoffentlich) kleine Kinder an die Hand nimmt bzw. nah bei sich behält. Beim Rückwärts ausparken oder Parkplatz suchen werden sie sonst schlicht übersehen.

Überhaupt Flexileinen - ich hab auch eine, es gibt Situationen, wo sie sehr nützlich sind - aber an die Flexi gehören für mich ausschließlich Hunde, die leinenführig sind, sprich nicht in die Leine donnern; die nicht überall unkontrolliert hin wollen, sprich gelernt haben, mit Ablenkung umzugehen; die ich weitestgehend über Kommandos lenken kann, also zu mir rufen kann und nicht die Leine dafür brauche. Sprich: An die Flexi gehören Hunde, die eigentlich auch frei oder an der kurzen Leine laufen könnten, aber an der Leine sein müssen, z.B. wegen Leinenpflicht, oder weil ich mit "hundelosen" Menschen unterwegs bin und nicht ordentlich auf den Hund gucken kann oder will.

Meistens befestige ich die Flexi dabei an meiner umgehängten Kurzleine, um nicht Gefahr zu laufen, den unhandlichen Plastikkoffer fallen zu lassen - das kann den Hund ganz schön erschrecken (sollte man übrigens unbedingt mal üben, damit der Hund das kennt, wenns doch mal passiert, und nicht panisch wird!).

Hundekontakt an der Flexi ist tabu!

Was alles schief gehen kann mit der Flexi ist hier *Klick* schön zusammengefasst.

Ein Ersatz für Erziehung sind Flexis auf keinen Fall, und auch kein Trainingsinstrument. Da sollte man doch besser zur Schleppleine greifen.

Richtig blöd kanns übrigens an der Flexi (allerdings auch an anderen Leinen) werden, wenn man mit dem Hund Fahrstuhl fährt. Hund drinnen, Mensch draussen (oder umgekehrt), Fahrstuhl geht zu und fährt los... noch Fragen? Bitte immer aufpassen, dass Hund und Mensch gleichzeitig einsteigen.

Ein anderer gefährlicher Ort sind Rolltreppen. Hunde, die mit den Krallen in den Ritzen der Stufen hängenbleiben - nicht schön. Ich war mal in einem Junghundekurs, wo tatsächlich geübt wurde, Rolltreppe zu fahren... Äh, Nein! Entweder der Hund lässt sich ruhig und sicher tragen, oder man nimmt den Fahrstuhl.

Auch schön: Unkontrolliertes Aussteigen aus dem Auto. Das ist Übungssache, und man entschärft vieles, wenn man die Leine grundsätzlich immer dran macht, bevor der Hund aussteigt. Ich mache sie ja gar nicht erst ab, aber da es sicher Hunde gibt, die im Auto unruhig sind und sich verheddern können, würde ich das nicht als allgemein sinnvollen Ratschlag ansehen.

Althrein zugefroren


In den letzten frostigen Tagen gab es immer wieder Meldungen wegen eingebrochener Hunde - Eisflächen sind gefährlich. Es gibt Leute, zu denen das noch nicht durchgedrungen ist.






Und zuletzt: Mein Nachbar. Der fährt immer Fahrrad mit seinem großen Labbi-Mix. Der Hund läuft neben ihm (dicht neben ihm), die Leine, am Halsband,  ist zur Schlaufe eingehakt und schräg über den Oberkörper gehängt. Das ist - egal wie brav der Hund ist - saugefährlich. Ein Stolpern, ein Zaudern oder Ausweichen des Hundes, ganz zu schweigen von Hängenbleiben, genügt und alles gerät ins Straucheln.

Ich halte die Leine immer nur locker in der Hand und trotzdem ist es mir schon passiert: Beim Reiten, Hund angeleint, weil wir eine Strasse überqueren mussten. Ich habe die Leine ein wenig nachgefasst und mir dabei aus Versehen um einen Finger gewickelt. Pony macht einen Schritt zur Seite, Hund weicht aus, gerät dadurch hinter einen schmalen Baumstamm - und zwei Schritte später lag ich schon unten.  Das war im Schritttempo, weicher Waldboden, beide Tiere blieben sofort stehen. Trotzdem hätte ich mir den Finger brechen können, am Halsband hätte sich der Hund schwer verletzen können (daher trägt er immer Geschirr beim Radfahren und Reiten), das Pferd hätte sich erschrecken können. Beim Radfahren, mit Tempo, auf der Strasse - ich möchte es mir nicht vorstellen.
Sowas passiert mir sicher nicht nochmal. Am meisten hat mich geärgert, dass ich es ja vorher schon genau wusste, wie doof es ist, sich die Leine um die Hand zu wickeln. Tja.

Also,  der Hund gehört beim Radfahren ans Geschirr. Die Leine gehört nicht am Menschen befestigt, auch nicht um die Hand oder den Lenker gehängt oder gewickelt.
Die Leinenhalter hinten am Rad sind deutlich sicherer, weil sie das Gleichgewicht weniger beeinträchtigen, mein Fall sind sie trotzdem nicht. Was, wenn ich stürze? Der Hund hat keine Chance, wegzukommen.

Mein Nachbar meint, sein Hund macht das so brav, da passiert nix. Sollte auch besser nicht, schließlich fährt auch die 2jährige Tochter im Kindersitz mit. Puh.


Mein Anti-Jagd-Tagebuch

Ein Trainings-Tagebuch, das nie geführt wurde. Alles zu kleinschrittig, zu "banal". Vielleicht, wenn ich einen echten, richtigen Jäger hätte. Aber, wie ich ja schon beim AJT-Seminar erfahren habe, ist Blacky der klassische Pseudo-Jäger. Bei ihm ist "Jagen" kein echtes Jagen sondern ein unkontrolliertes Rennen, ausgelöst durch einen Sichtreiz oder auch einfach nur als Übersprungshandung bei zu großer Aufregung.

Daraus ergibt sich logischerweise: Bewegungsfreiheit einschränken und kontrollieren (auf dem Weg bleiben, Radius einhalten, Umorientierung). Beides ist durch monatelange Kleinarbeit gut gelungen. Das war einfach nur eine Frage der Geduld, ständiger positiver Verstärkung und intensiven Übens. Rückblickend hätte ich natürlich früher damit anfangen können bzw. müssen - so ein Rennsemmel-Hund war echt was Neues für mich - andererseits sehe ich schon sehr deutlich, dass man die Selbstbeherrschung, die das Einhalten eines relativ kleinen Radius erfordert, nicht bei jedem jungen, lebhaften Hund voraussetzen kann.

Der oft empfohlene Weg, den Hund die ersten 1,5 Jahre nur an der Schleppleine zu lassen, wäre für mich echt unvorstellbar gewesen. Klar, da macht einem ein anhänglicher, eher unselbständiger Will-to-Please Hund das Leben natürlich leichter als ein eigenständiger Jäger, der dann mal vier Stunden weg ist. Natürlich kann man nie irgendwas garantieren, aber ich weiß, dass Blacky recht schnell wieder umdreht, und ich weiß aus Erfahrung, dass er nicht zupackt (nicht mal bei einer Maus, und eine abgestürzte Krähe und ein Kitz, dass direkt vor uns auf den Weg gestolpert ist, hatten wir auch schon, beiden wurde weder Haar noch Feder gekrümmt, zum Glück).

Die Sache mit der Aufregung hat sich mit der Bewegungseinschränkung recht schnell von ganz allein erledigt. Blacky ist ein Hund, dem klare Regeln und Strukturen Sicherheit geben. Ein absoluter Schlüssel für uns war (und ist) dabei die Leinenführigkeit.
Für Blacky ist die Leine eine Art Entspannungssignal. Wenn die Leine dran ist, weiß er einfach, dass jetzt die Aussenwelt keine Rolle mehr spielt. Ich gratuliere mir täglich dafür, dass ich damit so eisern war (und bin), schon in der Welpenzeit. Leine ist "Safety Zone" und eine Art Käseglocke. Eine grüne Zone für den Hund.
Blacky fährt an der Leine sofort runter. Wenn er also anfing, zu scannen, rumzurennen, aufgeregt zu werden, kam die Leine dran. Nach einer Weile Pause an der Leine konnte er dann auch wieder entspannt frei laufen. So waren auch längere Ausflüge und Ritte möglich, bei denen er sonst wegen Reizüberflutung Stress bekommen hätte.
Klar, bei einem Hund, dem unterwegs die Löffel ausgehen, würde man eigentlich sagen: dann eben nicht so lange raus. Blöd aber, wenn der Hund dann sein Bewegungsbedürfnis nicht ausleben kann - noch blöder, wenn genau dieses Bedürfnis einer der Auslöser für das "Jagen" ist.

Da hat uns das Radfahren geholfen. In diesem Sommer haben wir das verstärkt gemacht, und es tut Blacky sehr gut.  Einfach mal 10-15 km durchgehend locker Traben oder Galoppieren können - er läuft fast die ganze Zeit frei, kann also auch mal Schnuppern - und der Hund ist völlig zufrieden. Er scannt nicht, er guckt nicht mal groß links und rechts, er braucht ja keinen Auslöser zum Rennen zu suchen.  Und diese Entspannung nimmt er auch in andere Situationen mit.

Also: Ein Hund, der sich nicht enfernt, auf dem Weg bleibt, sich an mir orientiert, entspannt ist und nicht nach hetzbaren Objekten am Horizont sucht - dafür hat sich die Mühe gelohnt (und wird natürlich fortgesetzt, perfekt sind wir ja noch lange nicht). Heute waren wir fast drei Stunden Ausreiten, mit einem zweitem Pferd, in Gelände, dass ihn sehr zum Rennen animiert - Obstbaumwiesen, große offene Flächen, von denen er weiß, dass es dort reichlich Rehe und Hasen gibt - und es hat geklappt, und zwar komplett ohne Leine. Nicht ohne Aufpassen meinerseits natürlich, aber ohne Abdüsen. Nur einmal hat er angesetzt - und das bringt mich zum letzten Punkt.

Rückruf bei Wildsichtung.

Dazu hätte ich noch vor einem halben Jahr gesagt: Unmöglich. Das schaffe ich nie. Da Blacky weder nach Spuren geht, noch stöbert, noch den Weg verlässt, wird es nicht so häufig zu Sichtungen kommen - aber Abrufen vom Wild? Im Leben schaffe ich das nicht. Nicht, wenn alles erst mal in Bewegung ist. Umorientieren bei Vögeln, ja. Das klappt gut. Aber sprintende Hasen und Rehe?

Was nicht heisst, dass ich es nicht versuche. Aber der ganze Aufbau von Superrückrufen, Pfeifen etc. ist irgendwie an meiner Inkompetenz gescheitert. Die Pfeife vergesse ich entweder zu Hause oder denke im entscheidenden Moment nicht dran. Und der Superrückruf - das war auch nix für uns. Blacky ist sowieso nicht der Vorzeige-Rückruf-Hund. Aus der Ablage auf dem Hundeplatz, ok, da flitzt er zu mir - aber im Alltag wird nicht zu Frauchen galoppiert, sondern erst noch mal gepinkelt und dann gemütlich zu mir geschlendert (warum und wieso das so ist,  und warum ich das toleriere, das ist dann wieder ein anderes Thema...)

Daher geht es mir weniger um einen Superrückruf als um einen Abbruch. Lass es sein!! Ob der Hund dann stehenbleibt, sich wieder auf den Weg begibt, in der Landschaft runguckt oder zu mir zurückkommt,  ist mir egal. Nur weiterrennen soll er nicht. Und dieses "Abbruchsignal" ist einfach nur markerschütterndes Gebrüll. Beim ATJ-Seminar hiess es ja auch: Richtig laut und richtig oft rufen, damit man auch zum Hund durchkommt. Prima, laut kann ich!

Damit Blacky davor keine Angst bekommt, gibt's für den erfolgten Abbruch direkt auch immer eine Belohnung. Wenn er anfangs wohl wirklich vor Schreck reagiert hat, ist es inzwischen zum Signal geworden und schüchtert ihn auch nicht mehr ein. Aus Pseudo-Spaß-Durchstart-Aktionen liess er sich bald stoppen auf diese Weise - um sich dann die Leberwurst abzuholen. Aber bei echter Wildsichtung?

Und dann: Der Hundekumpel (der eigentlich überhaupt nicht zum Jagen neigt), stürzt sich ins Gebüsch, scheucht zwei Rehe auf, direkt vor uns, die Hunde hinterher... so laut habe ich noch nie gebrüllt. Und Blacky - bleibt stehen. Guckt zu mir, guckt dem Rehen und seinem Kumpel nach.  Überlegt. Und: Kommt zu mir. Ich hatte weiche Knie. Die Leberwurst mit zitternden Fingern rausgefischt. Die ganze Tube gab's.

Ein paar Mal hat er mir inzwischen schon Rehe angezeigt, sich direkt die Leberwurst abgeholt, statt loszurennen. Ein paar Mal hat sich stoppen lassen, als ich aber nicht sicher war, ob da wirklich Wild war. Aber aus vollem Lauf, mit dem Wild direkt vor der Nase... Für solche Momente hat sich das ganze Üben wirklich gelohnt.

Das ist der Stand der Dinge - mal sehen, was der Frühling bringt!









Born Again

Mal was schräges:

"Meine Familie und ich haben am 27.12.2016 unsere geliebte Hündin und Familienmitglied verloren, jedoch glauben wir an Reinkarnation (Wiedergeburt).
Wir wünschen uns vom ganzen Herzen das das unsere süße wieder zu uns nach hause kommt.
Wenn sie am 28.12.2016 (ca. Halb 12) einen Wurf bekommen haben ist unsere Dora vielleicht dabei.
Wir bedanken uns im voraus für jede Unterstützung die wir von Ihnen bekommen.
Sie können mich gerne hier per Nachricht kontaktieren."

Also, falls jemand einen reinkarnierten Welpen dabei hat, hier geht es zur Anzeige.

Da der Trick bei der ganzen Reinkarnation-Sache ja ist, dass man - voraussgesetzt, man war brav - bei jeder Wiedergeburt eine Stufe höher klettert, muss es ja ein Pudel sein!

Das Krönchen der Schöpfung :-)

Total sinnlos

Ich habe gerade bei einem Frostfutter/BARF Anbieter gekochten Reis entdeckt.

Reis, gekocht (besonders nährstoffschonend, so gut kriegt das die Mutti am Herd nie hin!), eingepackt in Plastik, verschickt quer durch Deutschland. 

Diese Sinnlosigkeit hat natürlich ihren Preis: 2,09 € für 500 gr gekochten Reis. 

Joa.

Noch absurder wirds aber hier: Hundewasser. In der DOSE.  180 ml für 1,80, das ist doch ein Schnäppchen. Das ist das "Hundewasser flüssig". Man kann auch Pulver bestellen.

Vermarktet wird das Hundewasser als geeignet für Hunde, die zuwenig trinken.

Was ist drin? Hauptsächlich Maltodextrin. Wenn man sich durchliesst, was das ist, frage ich mich, warum ich das im Hund will. Warum wenig trinkende Hunde extra Kohlenhdyrate brauchen, erschliesst sich mir nicht. Wie wär's gleich mit Limo?

 Das Problem, dass der Hund zuwenig trinkt, ist mit einer 180 ml Dose sicher nicht dauerhaft gelöst, da ein 15 Kilo Hund schon etwa 750 ml Wasser pro Tag braucht, aber bitte... Kauft man halt paar mehr Dosen.

Zum Trinken anregen kann man Hunde auch einfach, indem man ein bisschen Wurstwasser oder Brühe ins Wasser tut. Viele mögen es auch, wenn es ein bisschen erdig schmeckt, wie eine Pfütze oder aus dem Blumentopf-Untersatz, solchen Kandidaten kann man ein bisschen Blumenerde ins Wasser geben.
Man kann es mal mit einem anderen Napf probieren (kein billiges Metall). Oder anwärmen.

Wer sich Sorgen um den Wasserhaushalt seines Hundes macht, kann auch einfach auf Nassfutter in irgendeiner Form, gekocht, Dose, BARF, umsteigen. Der Wasserbedarf eines Hundes, der trocken ernährt wird, ist vervierfacht.

Ach übrigens, wer barfen will: Ich weiß, wo man total günstig gekochten Reis bestellen kann!


Die Angst vor den Dingen

Der Hund lässt sich nicht bürsten, nicht anleinen oder tickt aus, wenn er eine Spritze bekommen soll. Das ist eine häufiges Problem - und egal, wie gut ein Hund erzogen ist, wie sehr er seinem Menchen eigentlich vertraut - Gegenstände oder Situationen lösen bei manchen Hunden Panik und heftige Gegenwehr aus. Was tun? Da "muss er durch"?

Bei vielen Hunden kann man ja durchaus mit "Augen zu und durch" eine Gewöhnung an unangenehme Prozeduren erreichen. Blacky ist so ein Kandidat. Der lässt sich zwar nicht locken oder mit Futter bestechen, und versucht dem Ganzen erst mal auszuweichen - wehrt sich aber auch nicht, lässt alles machen und findet es von Mal zu Mal erträglicher. Nach dreimal Abduschen ist er von alleine in die Wanne geklettert. Blöd - aber muss halt. Solche Hunde lernen aus der Erfahrung: Es war ja nicht so schlimm. Und sie sind kleine "Folger": Wenn du sagst, das muss, dann muss es halt, seufz.

Es gibt aber auch Hunde, die nach jeder "Da muss er durch" Aktion panischer werden und nur noch  heftigere Gegenwehr leisten. Das sind die Kandidaten, die einen starken "Fight or Flight" Impuls haben. Sei es, dass sie vom Charakter her einfach so sind, was überhaupt nichts schlechtes ist, oder dass sie schlimme Erfahrungen gemacht haben und zutiefst misstrauisch sind.

Der zweite Typ ist leicht zu erkennen, er wird in vielen Situationen Ängste zeigen, die es geduldig abzubauen gilt. Dafür haben die meisten Halter intuitiv Verständnis.

Der erste Typ dagegen wird oft völlig falsch eingeschätzt. Solche Hunde sind nämlich weder unbedingt ängstlich im Wesen, noch traumatisiert, noch haben sie eine schlechte Bindung oder kein Vertrauen (gute Bindung und Vertrauen helfen natürlich, aber sie sind hier nicht die Wurzel des Problems). Sie sind oft willenstark, "haben Charakter", wie es heisst.

Diese Hunde kommen nicht damit klar, überrumpelt zu werden. Sie wollen und müssen wissen, was mit ihnen geschieht, und sie können ihre Emotionen, den Impuls zur Flucht oder Gegenwehr, nur beherrschen, wenn man sie mitdenken lässt (sie müssen in der grünen Zone sein). Weil sie aber sonst oft so robust wirken, werden ihre Sorgen übergangen - bis sie es einfach nicht mehr aushalten.

Für diese Hunde ist nicht das Bürsten schlimm, oder der Pieks, sondern die schlichte Tatsache, dass sie hilflos einer Situation ausgeliefert wurden. Völlig egal, ob es schmerzhaft war oder nicht. Und jedes Mal, wenn ihr "Fight or Flight" Impuls einfach unterdrückt wird, machen sie wieder diese Erfahrung, überrumpelt zu werden - beim nächsten Mal wird ihre Reaktion daher früher und heftiger kommen. Das führt extrem schnell zur Eskalation. Das ist oft die Vorgeschichte, wenn Leute sagen: "Mit so einer Reaktion habe ich gar nicht gerechnet!"

Aber nun kann man ja nicht direkt wieder mit dem Bürsten aufhören, nur weil der Hund nicht überrumpelt werden will - dann hat der Hund ja gewonnen! Man muss ihm zeigen, dass er damit nicht durchkommt! Oder?

Hier kommt eine unglaublich nützliche und einfache Strategie ins Spiel: Annäherung und Rückzug.

Im Grunde schliesst man einen Vertrag mit dem Hund. Der lautet: Ich gehe nur so weit, wie du es ertragen kannst. Dessen muss sich der Hund sicher sein.
Ich verlange als Gegenleistung, dass er sich mit mir und dem angstauslösenden Gegenstand auseinandersetzt. Ich höre nicht auf,  gehe aber konsequent immer nur soweit, wie es geht. Und jedes Mal ein winziges Stück weiter.

Wenn man diese Strategie wirklich in allen Lebenslagen anwendet und absolut konsequent bleibt (und nicht doch mal eben schnell zulangt!), kann man die Grenzen des Hundes - was er  bereit ist, zu ertragen - sehr schnell verschieben.

Wichtig: Das ist kein Training, das man einmal macht und dann ist es gut, sondern es ist eine Art des Umgangs, Regeln, die lebenslang und immer gelten sollten. Es wird mit der Zeit immer schneller gehen, neue Reize zu verarbeiten - aber man kann nicht einfach zu alten Überrumpelungsstaktiken zurückkehren.

Und wie sieht das in der Praxis aus?

Nehmen wir mal das Bürsten.

Der Hund sollte gesichert sein, damit er nicht ganz weglaufen kann, aber nicht fixiert. Also an der langen Leine, aber nicht am Halsband festhalten.

Man nimmt die Bürste und nähert sich damit. Und jetzt genau hinschauen: Betrachtet der Hund die Bürste, will sie beschnuppern? Alles gut. Weiter mit dem nächsten Schritt.

Oder erkennt man eine Anspannung? Zurückweichen, auch nur einen Millimeter? Abwenden des Kopfes? Anspannung der Muskeln? Zusammenkneifen der Augen? Je besser man die kleinsten Signale erkennt, um so effektiver das Training.

Wenn eine solche Reaktion kommt, entfernt sich die Bürste wieder. Nicht ganz, sondern bis genau zu dem Punkt, an dem keine Anspannung mehr erkennbar ist. Dort bleiben, Pause machen.

Wenn der Hund sich sogar entfernt hat, auf keinen Fall!! hinterher gehen. Keinen Millimeter. Sondern selbst zurückweichen, den Hund einladen, sich wieder zu nähern. Alles ist erlaubt, auch Futter. Es darf nur NIE eine Ablenkung sein. Auf keinen Fall vorne Futter hinhalten, damit man schnell schnell hinten die Klette rausziehen kann.

Aber man darf und sollte jede winzige Annäherung des Hundes  loben und, wenn der Hund Futter nimmt, belohnen. Futter ist allerdings niemals stärker als der Fight/Flight-Impuls! Es ist immer nur eine zusätzliche, aber zweitrangige Unterstützung.
(Wer clickert, kann das wunderbar einbeziehen: immer clicken, wenn sich der Hund aktiv zuwendet oder nähert oder sich sichtbar entspannt. Aber nicht in der Anspannung clicken! Hier ist Timing wirklich wichtig).

Wenn der Hund sich wieder entspannt, nähert sich die Bürste (die Leine, die Spritze) wieder. Man kennt ja nun den Punkt, an dem der Hund sich anspannt. Also kurz davor verharren. Einen Moment warten. Bleibt der Hund entspannt? Dann noch ein bisschen weiter - und sofort wieder zurück, zum "sicheren" Punkt. So zeigt man dem Hund: Ich sehe, dass du dich gleich anspannst. Alles gut, ich respektiere das.

Die Entspannung wird nun immer schneller eintreten, da der Hund ja nun weiß, dass er nicht plötzlich doch noch überfallen wird. Wenn nicht: Kleinschrittiger werden! Und ruhig bleiben, weder zögerlich noch hektisch werden. Immer dem Hund erlauben, zu sehen, was vor sich geht. Annäherung von oben und schnelle Bewegungen vermeiden. Die eigene Körpersprache und Atmung im Griff haben. Und Geduld, Geduld, Geduld.

Es kann durchaus sein, dass man beim ersten Üben mit der Bürste nur in die Nähe kommt und noch keine Berührung möglich ist. Oder nur eine Berührung, aber kein Bürsten geht. Das macht nichts. Wichtig ist, dass die Entspannung nach der Anspannung schneller eintritt, als am Anfang. Nicht zu lange üben. Aufhören, bevor es wieder schlechter wird, Zeit geben, die Erfahrung zu verarbeiten. Lieber oft als zu lange üben. Auf die Tagesform achten!
Manche Hunde reagieren auf jeden neuen Gegenstand angespannt. Manche reagieren sogar jedes Mal auf bekannte Gegenstände wieder angespannt und brauchen die Rückversicherung, dass die Verabredung noch gilt.

Wenn es gut läuft, kann man sich so nach und nach immer weiter rantasten. Annähern - Anspannung - Rückzug - Entspannen. Man verschiebt die Grenze nach und nach immer weiter, ohne den Hund jemals in die Fight or Flight Reaktion zu zwingen. So lernt der Hund ein neues Muster: Etwas auszuhalten, statt sich zu wehren oder zu flüchten. Er lernt, seine eigene Flucht/Gegenwehr-Distanz zu verringern (die grüne Zone auszuweiten, in der er nachdenken und lernen kann, statt instinktiv zu reagieren).

Je öfter man nun dieses Muster im Alltag einbaut, um so normaler wird das neue Verhalten für den Hund. Jedes Halsband anziehen, jedes Anleinen, jedes Anfassen: Weicht der Hund zurück? Auch nur ein kleines bisschen? Ein Zucken? Ein Augenkneifen? Sofort aufhören, einen Schritt zurück, den Hund kommen lassen. Lernen, genau zu erkennen, wie der Hund sich mit neuen Reizen auseinandersetzt, wie schnell er sich anspannt, wie lange er braucht, um sich zu entspannen.

Ganz genauso kann man mit Angst oder Stress Auslösern umgehen, auf die man sich zubewegt, oder die sich nähern. Man erlaubt einen Rückzug des Hundes, aber nicht soweit, wie der Impuls es diktiert, sondern nur gerade so weit wie nötig, um den Hund wieder ansprechen zu können. Und startet dann  eine erneute Annäherung.

Die wiederholte Erfahrung, dass seine Anspannung und sein kurzer Zweifel wahrgenommen wird, dass man ihm eine Wahl lässt, dass er nicht überfallen wird, dass er Zeit bekommt, sich zu entscheiden, ist extrem vertrauensbildend. Jeder Verrat ist aber dafür umso schlimmer.

Richtig blöd wird es natürlich, wenn man z.B. beim Tierarzt, selbst in eine Situation gezwungen wird, die man nicht kontrollieren kann. Hier muss man den Mut haben, Stopp! zu sagen, um eine kurze Pause zu bekommen, bevor es für den Hund nicht mehr aushaltbar wird. Besser, man nimmt sich fünf Minuten, um mit der Spritze ein Annäherungs-Rückzug-Spiel zu spielen, als dass man den Hund beim nächsten Mal nicht mehr auf den Tisch bekommt.

Wenn ein Tierarzt dafür kein Verständnis hat, und es nicht gerade um Leben und Tod geht - abbrechen. Es gibt Tierärzte, die sehr wohl bereit sind, beim Umgang mit dem Tier auf die Besitzer zu hören. Und es gibt welche, die... naja.

Eine sehr gute Vorbereitung - zuhause mit einer leeren Spritze üben, Piksen mit einem Zahnstocher üben, Abhören, das Festhalten und Fixieren, Maulkorb anlegen usw - hilft natürlich. Und sollte es tatsächlich unangenehm werden: Nicht sofort fluchtartig den Raum verlassen, wenn es vorbei ist, sondern dem Hund wenigstens die Gelegenheit geben, sich in der Situation noch zu beruhigen und das gelernte Muster wieder zu finden (ein Annäherung-Rückzug-Spiel mit dem Tierarzttisch spielen), um den Fluchtimpuls nicht zu verstärken.

Es klingt kompliziert und langwierig, ist es aber meistens gar nicht. Und es lohnt sich!

Übrigens: Auch für die Kandidaten, die es gar nicht zu brauchen scheinen....Mit Blacky spiele ich das Spiel oft. Obwohl er sich alles gefallen lässt, ist es besser für ihn, wenn er sich selbst überwinden lernt, statt gezwungen zu werden.


Der Rudelführer

Jaja, das Alpha-Gedöns. Dass der ganze Kram mit den Wölfen einfach keine brauchbare Schablone für die Hundeerziehung ist, sollte sich herumgesprochen haben.
Einmal sind Hunde eben keine Wölfe, und zum zweiten stimmt es einfach nicht, dass der stärkste oder "dominanteste" Wolf das Sagen hat und alle kuschen. Soviel ist bekannt.



Für mich liegt das Hauptproblem mit dem ganzen Konzept aber woanders.

Die Idee, man müsse "Rudelführer" werden, verleitet zu trügerischen Vereinfachungen. Sobald ich Nummer 1, Alpha oder was auch immer bin, macht der Hund, was ich will.

Ja, schön wär's!

Ich bin durchaus der Meinung, dass der Hund Respekt vor seinem Hundeführer, Chef, Vorgesetzten, Herrchen/Frauchen, der Mutti, dem Boss, oder wie immer man sich nennen möchte, von mir aus auch Alpha, haben sollte. Einen Respekt, den man sich durch Konsequenz verdient, und dadurch, dass man dem Hund einen sicheren Rahmen bietet.

Das reicht aber nicht.

Wir wollen Dinge von unseren Hunden, die weit außerhalb eines "natürlichen" Verhaltensrepertoires liegen, egal, ob man Hund oder Wolf zum Maßstab nimmt. Er soll vollkommen natürliche Bedürfnisse und Instinkte unterdrücken, Handlungen ausführen, die nun nicht wirklich "natürlich" sind (Sitz machen auf Kommando, am Straßenrand warten, andere Hunde ignorieren usw usf), er soll unsere Kommunikationsversuche entschlüsseln, unsere Kommandos und zeichen verstehen und befolgen.
Was für ein Anspruch!

Da reicht es nicht, dass der Hund Respekt hat, uns als überlegen und in der Rangordnung über ihm stehend ansieht (ob's die nun gibt oder nicht, die Rangordnung.)

Wenn er uns schlicht und einfach nicht versteht, kann er nicht tun was wir wollen. Und wenn er mental, psychisch oder körperlich nicht in der Lage ist, auszuführen, was Herr oder Frau Alpha verlangt, hilft aller Respekt auch nicht.

Womit ich wieder bei Will Nicht, Kann nicht und Versteht nicht angelangt wäre. Für das Thema "Will nicht" ist es sicher von Vorteil, wenn der Hund mich als überlegenen Anführer betrachtet. Aber die anderen beiden Themen bleiben davon unberührt. Ohne sorgfältige Ausbildung und Förderung der Fähigkeiten des Hundes kann ich soviel Alpha sein, wie ich will.

Um so schrecklicher, wenn schon Welpenbesitzer ihren ganzen Fokus auf irgendwelchen Rudelführer-Scheiß (um es mal ganz deutlich zu sagen)  legen, statt sich erst mal anzuschauen, warum sich der Hund so verhält, wie er es tut.

Das ist das eine.

Der andere Punkt ist, dass man sich vielleicht auch mal anschauen sollte, was für einen Hundetyp man sich da geholt hat. Wer gerne einen Hund möchte, der freudig alles tut, was der Alpha-Mensch nun wieder möchte, der sollte das bei der Rassewahl berücksichtigen und einen Hund wählen, der auf die enge Zusammenarbeit mit dem Menschen selektiert wurde. Ein Hund mit viel "Will to Please" will eben gerne gefallen. Ein eigenständiger Hund wird eher fragen: "Und was habe ich davon?"

Das heisst nun nicht, dass ersterer mehr Respekt hat oder letzterer keinen. Es heisst lediglich, dass diese Hunde unterschiedlich zu motivieren sind, für unterschiedliche Aufgaben geeignet sind. Ein etwas robusterer Kandidat steckt dafür wieder Erziehungsfehler besser weg, während ein hochsensibler Hütehund vielleicht schon vor lauter Verwirrung verzweifelt und am Rad dreht.

Die Rudelführer-Schablone ist ein großer Gleichmacher: Klappt es nicht? Du musst nur der Boss werden! Und schwupps, Problem gelöst.

Hunde sind aber nicht alle gleich. Menschen auch nicht. Und Probleme schon gar nicht.





Hundewörter des Jahres

Heute gelesen: Mein Hund hat labradorbedingt mal wieder was gefressen... "Labradorbedingt". Find ich super. Weiß doch jeder sofort, was gemeint ist.

Blacky mag die Knallerei nicht so gern und sucht dann immer die Nähe bei uns. Mehr als sonst, denn normalerweise ist er ja nicht der größte Kuschler - so entstand dann das Neu-Wort "Angstschmusen".

Ich werde den Silvesterabend also gemütlich mit dem angstschmusenden Hund im Bett verbringen und wünsche allen einen guten Rutsch!

Ach, das ist ein Pudel?

Mal wieder so ein Dialog beim Gassigehen....

Ist das ein Königspudel?

Na ja, sozusagen - genaugenommen ein Mittelpudel.

Na, da haben sie ja Glück gehabt. Königspudel haben doch so komische Frisuren!