Born Again

Mal was schräges:

"Meine Familie und ich haben am 27.12.2016 unsere geliebte Hündin und Familienmitglied verloren, jedoch glauben wir an Reinkarnation (Wiedergeburt).
Wir wünschen uns vom ganzen Herzen das das unsere süße wieder zu uns nach hause kommt.
Wenn sie am 28.12.2016 (ca. Halb 12) einen Wurf bekommen haben ist unsere Dora vielleicht dabei.
Wir bedanken uns im voraus für jede Unterstützung die wir von Ihnen bekommen.
Sie können mich gerne hier per Nachricht kontaktieren."

Also, falls jemand einen reinkarnierten Welpen dabei hat, hier geht es zur Anzeige.

Da der Trick bei der ganzen Reinkarnation-Sache ja ist, dass man - voraussgesetzt, man war brav - bei jeder Wiedergeburt eine Stufe höher klettert, muss es ja ein Pudel sein!

Das Krönchen der Schöpfung :-)

Total sinnlos

Ich habe gerade bei einem Frostfutter/BARF Anbieter gekochten Reis entdeckt.

Reis, gekocht (besonders nährstoffschonend, so gut kriegt das die Mutti am Herd nie hin!), eingepackt in Plastik, verschickt quer durch Deutschland. 

Diese Sinnlosigkeit hat natürlich ihren Preis: 2,09 € für 500 gr gekochten Reis. 

Joa.

Noch absurder wirds aber hier: Hundewasser. In der DOSE.  180 ml für 1,80, das ist doch ein Schnäppchen. Das ist das "Hundewasser flüssig". Man kann auch Pulver bestellen.

Vermarktet wird das Hundewasser als geeignet für Hunde, die zuwenig trinken.

Was ist drin? Hauptsächlich Maltodextrin. Wenn man sich durchliesst, was das ist, frage ich mich, warum ich das im Hund will. Warum wenig trinkende Hunde extra Kohlenhdyrate brauchen, erschliesst sich mir nicht. Wie wär's gleich mit Limo?

 Das Problem, dass der Hund zuwenig trinkt, ist mit einer 180 ml Dose sicher nicht dauerhaft gelöst, da ein 15 Kilo Hund schon etwa 750 ml Wasser pro Tag braucht, aber bitte... Kauft man halt paar mehr Dosen.

Zum Trinken anregen kann man Hunde auch einfach, indem man ein bisschen Wurstwasser oder Brühe ins Wasser tut. Viele mögen es auch, wenn es ein bisschen erdig schmeckt, wie eine Pfütze oder aus dem Blumentopf-Untersatz, solchen Kandidaten kann man ein bisschen Blumenerde ins Wasser geben.
Man kann es mal mit einem anderen Napf probieren (kein billiges Metall). Oder anwärmen.

Wer sich Sorgen um den Wasserhaushalt seines Hundes macht, kann auch einfach auf Nassfutter in irgendeiner Form, gekocht, Dose, BARF, umsteigen. Der Wasserbedarf eines Hundes, der trocken ernährt wird, ist vervierfacht.

Ach übrigens, wer barfen will: Ich weiß, wo man total günstig gekochten Reis bestellen kann!


Die Angst vor den Dingen

Der Hund lässt sich nicht bürsten, nicht anleinen oder tickt aus, wenn er eine Spritze bekommen soll. Das ist eine häufiges Problem - und egal, wie gut ein Hund erzogen ist, wie sehr er seinem Menchen eigentlich vertraut - Gegenstände oder Situationen lösen bei manchen Hunden Panik und heftige Gegenwehr aus. Was tun? Da "muss er durch"?

Bei vielen Hunden kann man ja durchaus mit "Augen zu und durch" eine Gewöhnung an unangenehme Prozeduren erreichen. Blacky ist so ein Kandidat. Der lässt sich zwar nicht locken oder mit Futter bestechen, und versucht dem Ganzen erst mal auszuweichen - wehrt sich aber auch nicht, lässt alles machen und findet es von Mal zu Mal erträglicher. Nach dreimal Abduschen ist er von alleine in die Wanne geklettert. Blöd - aber muss halt. Solche Hunde lernen aus der Erfahrung: Es war ja nicht so schlimm. Und sie sind kleine "Folger": Wenn du sagst, das muss, dann muss es halt, seufz.

Es gibt aber auch Hunde, die nach jeder "Da muss er durch" Aktion panischer werden und nur noch  heftigere Gegenwehr leisten. Das sind die Kandidaten, die einen starken "Fight or Flight" Impuls haben. Sei es, dass sie vom Charakter her einfach so sind, was überhaupt nichts schlechtes ist, oder dass sie schlimme Erfahrungen gemacht haben und zutiefst misstrauisch sind.

Der zweite Typ ist leicht zu erkennen, er wird in vielen Situationen Ängste zeigen, die es geduldig abzubauen gilt. Dafür haben die meisten Halter intuitiv Verständnis.

Der erste Typ dagegen wird oft völlig falsch eingeschätzt. Solche Hunde sind nämlich weder unbedingt ängstlich im Wesen, noch traumatisiert, noch haben sie eine schlechte Bindung oder kein Vertrauen (gute Bindung und Vertrauen helfen natürlich, aber sie sind hier nicht die Wurzel des Problems). Sie sind oft willenstark, "haben Charakter", wie es heisst.

Diese Hunde kommen nicht damit klar, überrumpelt zu werden. Sie wollen und müssen wissen, was mit ihnen geschieht, und sie können ihre Emotionen, den Impuls zur Flucht oder Gegenwehr, nur beherrschen, wenn man sie mitdenken lässt (sie müssen in der grünen Zone sein). Weil sie aber sonst oft so robust wirken, werden ihre Sorgen übergangen - bis sie es einfach nicht mehr aushalten.

Für diese Hunde ist nicht das Bürsten schlimm, oder der Pieks, sondern die schlichte Tatsache, dass sie hilflos einer Situation ausgeliefert wurden. Völlig egal, ob es schmerzhaft war oder nicht. Und jedes Mal, wenn ihr "Fight or Flight" Impuls einfach unterdrückt wird, machen sie wieder diese Erfahrung, überrumpelt zu werden - beim nächsten Mal wird ihre Reaktion daher früher und heftiger kommen. Das führt extrem schnell zur Eskalation. Das ist oft die Vorgeschichte, wenn Leute sagen: "Mit so einer Reaktion habe ich gar nicht gerechnet!"

Aber nun kann man ja nicht direkt wieder mit dem Bürsten aufhören, nur weil der Hund nicht überrumpelt werden will - dann hat der Hund ja gewonnen! Man muss ihm zeigen, dass er damit nicht durchkommt! Oder?

Hier kommt eine unglaublich nützliche und einfache Strategie ins Spiel: Annäherung und Rückzug.

Im Grunde schliesst man einen Vertrag mit dem Hund. Der lautet: Ich gehe nur so weit, wie du es ertragen kannst. Dessen muss sich der Hund sicher sein.
Ich verlange als Gegenleistung, dass er sich mit mir und dem angstauslösenden Gegenstand auseinandersetzt. Ich höre nicht auf,  gehe aber konsequent immer nur soweit, wie es geht. Und jedes Mal ein winziges Stück weiter.

Wenn man diese Strategie wirklich in allen Lebenslagen anwendet und absolut konsequent bleibt (und nicht doch mal eben schnell zulangt!), kann man die Grenzen des Hundes - was er  bereit ist, zu ertragen - sehr schnell verschieben.

Wichtig: Das ist kein Training, das man einmal macht und dann ist es gut, sondern es ist eine Art des Umgangs, Regeln, die lebenslang und immer gelten sollten. Es wird mit der Zeit immer schneller gehen, neue Reize zu verarbeiten - aber man kann nicht einfach zu alten Überrumpelungsstaktiken zurückkehren.

Und wie sieht das in der Praxis aus?

Nehmen wir mal das Bürsten.

Der Hund sollte gesichert sein, damit er nicht ganz weglaufen kann, aber nicht fixiert. Also an der langen Leine, aber nicht am Halsband festhalten.

Man nimmt die Bürste und nähert sich damit. Und jetzt genau hinschauen: Betrachtet der Hund die Bürste, will sie beschnuppern? Alles gut. Weiter mit dem nächsten Schritt.

Oder erkennt man eine Anspannung? Zurückweichen, auch nur einen Millimeter? Abwenden des Kopfes? Anspannung der Muskeln? Zusammenkneifen der Augen? Je besser man die kleinsten Signale erkennt, um so effektiver das Training.

Wenn eine solche Reaktion kommt, entfernt sich die Bürste wieder. Nicht ganz, sondern bis genau zu dem Punkt, an dem keine Anspannung mehr erkennbar ist. Dort bleiben, Pause machen.

Wenn der Hund sich sogar entfernt hat, auf keinen Fall!! hinterher gehen. Keinen Millimeter. Sondern selbst zurückweichen, den Hund einladen, sich wieder zu nähern. Alles ist erlaubt, auch Futter. Es darf nur NIE eine Ablenkung sein. Auf keinen Fall vorne Futter hinhalten, damit man schnell schnell hinten die Klette rausziehen kann.

Aber man darf und sollte jede winzige Annäherung des Hundes  loben und, wenn der Hund Futter nimmt, belohnen. Futter ist allerdings niemals stärker als der Fight/Flight-Impuls! Es ist immer nur eine zusätzliche, aber zweitrangige Unterstützung.
(Wer clickert, kann das wunderbar einbeziehen: immer clicken, wenn sich der Hund aktiv zuwendet oder nähert oder sich sichtbar entspannt. Aber nicht in der Anspannung clicken! Hier ist Timing wirklich wichtig).

Wenn der Hund sich wieder entspannt, nähert sich die Bürste (die Leine, die Spritze) wieder. Man kennt ja nun den Punkt, an dem der Hund sich anspannt. Also kurz davor verharren. Einen Moment warten. Bleibt der Hund entspannt? Dann noch ein bisschen weiter - und sofort wieder zurück, zum "sicheren" Punkt. So zeigt man dem Hund: Ich sehe, dass du dich gleich anspannst. Alles gut, ich respektiere das.

Die Entspannung wird nun immer schneller eintreten, da der Hund ja nun weiß, dass er nicht plötzlich doch noch überfallen wird. Wenn nicht: Kleinschrittiger werden! Und ruhig bleiben, weder zögerlich noch hektisch werden. Immer dem Hund erlauben, zu sehen, was vor sich geht. Annäherung von oben und schnelle Bewegungen vermeiden. Die eigene Körpersprache und Atmung im Griff haben. Und Geduld, Geduld, Geduld.

Es kann durchaus sein, dass man beim ersten Üben mit der Bürste nur in die Nähe kommt und noch keine Berührung möglich ist. Oder nur eine Berührung, aber kein Bürsten geht. Das macht nichts. Wichtig ist, dass die Entspannung nach der Anspannung schneller eintritt, als am Anfang. Nicht zu lange üben. Aufhören, bevor es wieder schlechter wird, Zeit geben, die Erfahrung zu verarbeiten. Lieber oft als zu lange üben. Auf die Tagesform achten!
Manche Hunde reagieren auf jeden neuen Gegenstand angespannt. Manche reagieren sogar jedes Mal auf bekannte Gegenstände wieder angespannt und brauchen die Rückversicherung, dass die Verabredung noch gilt.

Wenn es gut läuft, kann man sich so nach und nach immer weiter rantasten. Annähern - Anspannung - Rückzug - Entspannen. Man verschiebt die Grenze nach und nach immer weiter, ohne den Hund jemals in die Fight or Flight Reaktion zu zwingen. So lernt der Hund ein neues Muster: Etwas auszuhalten, statt sich zu wehren oder zu flüchten. Er lernt, seine eigene Flucht/Gegenwehr-Distanz zu verringern (die grüne Zone auszuweiten, in der er nachdenken und lernen kann, statt instinktiv zu reagieren).

Je öfter man nun dieses Muster im Alltag einbaut, um so normaler wird das neue Verhalten für den Hund. Jedes Halsband anziehen, jedes Anleinen, jedes Anfassen: Weicht der Hund zurück? Auch nur ein kleines bisschen? Ein Zucken? Ein Augenkneifen? Sofort aufhören, einen Schritt zurück, den Hund kommen lassen. Lernen, genau zu erkennen, wie der Hund sich mit neuen Reizen auseinandersetzt, wie schnell er sich anspannt, wie lange er braucht, um sich zu entspannen.

Ganz genauso kann man mit Angst oder Stress Auslösern umgehen, auf die man sich zubewegt, oder die sich nähern. Man erlaubt einen Rückzug des Hundes, aber nicht soweit, wie der Impuls es diktiert, sondern nur gerade so weit wie nötig, um den Hund wieder ansprechen zu können. Und startet dann  eine erneute Annäherung.

Die wiederholte Erfahrung, dass seine Anspannung und sein kurzer Zweifel wahrgenommen wird, dass man ihm eine Wahl lässt, dass er nicht überfallen wird, dass er Zeit bekommt, sich zu entscheiden, ist extrem vertrauensbildend. Jeder Verrat ist aber dafür umso schlimmer.

Richtig blöd wird es natürlich, wenn man z.B. beim Tierarzt, selbst in eine Situation gezwungen wird, die man nicht kontrollieren kann. Hier muss man den Mut haben, Stopp! zu sagen, um eine kurze Pause zu bekommen, bevor es für den Hund nicht mehr aushaltbar wird. Besser, man nimmt sich fünf Minuten, um mit der Spritze ein Annäherungs-Rückzug-Spiel zu spielen, als dass man den Hund beim nächsten Mal nicht mehr auf den Tisch bekommt.

Wenn ein Tierarzt dafür kein Verständnis hat, und es nicht gerade um Leben und Tod geht - abbrechen. Es gibt Tierärzte, die sehr wohl bereit sind, beim Umgang mit dem Tier auf die Besitzer zu hören. Und es gibt welche, die... naja.

Eine sehr gute Vorbereitung - zuhause mit einer leeren Spritze üben, Piksen mit einem Zahnstocher üben, Abhören, das Festhalten und Fixieren, Maulkorb anlegen usw - hilft natürlich. Und sollte es tatsächlich unangenehm werden: Nicht sofort fluchtartig den Raum verlassen, wenn es vorbei ist, sondern dem Hund wenigstens die Gelegenheit geben, sich in der Situation noch zu beruhigen und das gelernte Muster wieder zu finden (ein Annäherung-Rückzug-Spiel mit dem Tierarzttisch spielen), um den Fluchtimpuls nicht zu verstärken.

Es klingt kompliziert und langwierig, ist es aber meistens gar nicht. Und es lohnt sich!

Übrigens: Auch für die Kandidaten, die es gar nicht zu brauchen scheinen....Mit Blacky spiele ich das Spiel oft. Obwohl er sich alles gefallen lässt, ist es besser für ihn, wenn er sich selbst überwinden lernt, statt gezwungen zu werden.


Der Rudelführer

Jaja, das Alpha-Gedöns. Dass der ganze Kram mit den Wölfen einfach keine brauchbare Schablone für die Hundeerziehung ist, sollte sich herumgesprochen haben.
Einmal sind Hunde eben keine Wölfe, und zum zweiten stimmt es einfach nicht, dass der stärkste oder "dominanteste" Wolf das Sagen hat und alle kuschen. Soviel ist bekannt.



Für mich liegt das Hauptproblem mit dem ganzen Konzept aber woanders.

Die Idee, man müsse "Rudelführer" werden, verleitet zu trügerischen Vereinfachungen. Sobald ich Nummer 1, Alpha oder was auch immer bin, macht der Hund, was ich will.

Ja, schön wär's!

Ich bin durchaus der Meinung, dass der Hund Respekt vor seinem Hundeführer, Chef, Vorgesetzten, Herrchen/Frauchen, der Mutti, dem Boss, oder wie immer man sich nennen möchte, von mir aus auch Alpha, haben sollte. Einen Respekt, den man sich durch Konsequenz verdient, und dadurch, dass man dem Hund einen sicheren Rahmen bietet.

Das reicht aber nicht.

Wir wollen Dinge von unseren Hunden, die weit außerhalb eines "natürlichen" Verhaltensrepertoires liegen, egal, ob man Hund oder Wolf zum Maßstab nimmt. Er soll vollkommen natürliche Bedürfnisse und Instinkte unterdrücken, Handlungen ausführen, die nun nicht wirklich "natürlich" sind (Sitz machen auf Kommando, am Straßenrand warten, andere Hunde ignorieren usw usf), er soll unsere Kommunikationsversuche entschlüsseln, unsere Kommandos und zeichen verstehen und befolgen.
Was für ein Anspruch!

Da reicht es nicht, dass der Hund Respekt hat, uns als überlegen und in der Rangordnung über ihm stehend ansieht (ob's die nun gibt oder nicht, die Rangordnung.)

Wenn er uns schlicht und einfach nicht versteht, kann er nicht tun was wir wollen. Und wenn er mental, psychisch oder körperlich nicht in der Lage ist, auszuführen, was Herr oder Frau Alpha verlangt, hilft aller Respekt auch nicht.

Womit ich wieder bei Will Nicht, Kann nicht und Versteht nicht angelangt wäre. Für das Thema "Will nicht" ist es sicher von Vorteil, wenn der Hund mich als überlegenen Anführer betrachtet. Aber die anderen beiden Themen bleiben davon unberührt. Ohne sorgfältige Ausbildung und Förderung der Fähigkeiten des Hundes kann ich soviel Alpha sein, wie ich will.

Um so schrecklicher, wenn schon Welpenbesitzer ihren ganzen Fokus auf irgendwelchen Rudelführer-Scheiß (um es mal ganz deutlich zu sagen)  legen, statt sich erst mal anzuschauen, warum sich der Hund so verhält, wie er es tut.

Das ist das eine.

Der andere Punkt ist, dass man sich vielleicht auch mal anschauen sollte, was für einen Hundetyp man sich da geholt hat. Wer gerne einen Hund möchte, der freudig alles tut, was der Alpha-Mensch nun wieder möchte, der sollte das bei der Rassewahl berücksichtigen und einen Hund wählen, der auf die enge Zusammenarbeit mit dem Menschen selektiert wurde. Ein Hund mit viel "Will to Please" will eben gerne gefallen. Ein eigenständiger Hund wird eher fragen: "Und was habe ich davon?"

Das heisst nun nicht, dass ersterer mehr Respekt hat oder letzterer keinen. Es heisst lediglich, dass diese Hunde unterschiedlich zu motivieren sind, für unterschiedliche Aufgaben geeignet sind. Ein etwas robusterer Kandidat steckt dafür wieder Erziehungsfehler besser weg, während ein hochsensibler Hütehund vielleicht schon vor lauter Verwirrung verzweifelt und am Rad dreht.

Die Rudelführer-Schablone ist ein großer Gleichmacher: Klappt es nicht? Du musst nur der Boss werden! Und schwupps, Problem gelöst.

Hunde sind aber nicht alle gleich. Menschen auch nicht. Und Probleme schon gar nicht.





Hundewörter des Jahres

Heute gelesen: Mein Hund hat labradorbedingt mal wieder was gefressen... "Labradorbedingt". Find ich super. Weiß doch jeder sofort, was gemeint ist.

Blacky mag die Knallerei nicht so gern und sucht dann immer die Nähe bei uns. Mehr als sonst, denn normalerweise ist er ja nicht der größte Kuschler - so entstand dann das Neu-Wort "Angstschmusen".

Ich werde den Silvesterabend also gemütlich mit dem angstschmusenden Hund im Bett verbringen und wünsche allen einen guten Rutsch!

Ach, das ist ein Pudel?

Mal wieder so ein Dialog beim Gassigehen....

Ist das ein Königspudel?

Na ja, sozusagen - genaugenommen ein Mittelpudel.

Na, da haben sie ja Glück gehabt. Königspudel haben doch so komische Frisuren!



Nicht Ziehen Teil 3 - Worum geht es eigentlich?

Da wird sich immer ein Mordskopf gemacht um Trainingsmethoden und PiPaPo - aber was ist eigentlich das Entscheidende? An der Leine zu sein, heisst für den Hund: Man kann und darf nicht dahingehen, wo man will.

Ganz einfach.

Und genau diese Erkenntnis fehlt vielen Hunden. Sie haben gelernt: Wenn die Leine dran ist, wird man manchmal dabei gestört, dahin zu gehen, wo man hinwill. Und manchmal nicht. Manchmal muss man halt nur ein bisschen fester ziehen. Manchmal gibt es plötzlich Ärger. Meistens marschiert Mensch einfach hinterher. Und dann plötzlich nicht mehr, und dann doch wieder.
Das alles ist unübersichtlich, unverständlich und unangenehm für den Hund.

Es gibt zwei ganz klassische Reaktionen: Der eine Typ Hund ignoriert einfach, worauf er sich keinen Reim machen kann. Das sind die, die irgendwann nur noch mit Tunnelblick am Ziehen sind. Das sind die Hunde, bei denen man sich fragt, wie sie den Dauerzug aushalten. Sie halten ihn aus, weil sie  keinen anderen Ausweg sehen als die Flucht nach vorne, und immer mehr abstumpfen.
Der andere Typ ist dauergestresst und dauerfrustriert, manche beissen in die Leine, bei vielen entlädt sich der Stress beim geringsten Anlass in Kläffen. Weil sie nicht zum anderen Hund dürfen. Weil ein anderer Hund sie anschaut. Weil sich was bewegt.

Hunde, die wissen, wie die Regeln sind, tun sich leichter. Sie müssen nicht völlig frustriert sein, weil sie gar nicht die Erwartung haben,  vielleicht dieses Mal zum anderen Hund zu dürfen. Leine dran heisst weitergehen - kein Kontakt - fertig (Was ja nicht heisst, dass man nicht geordnet ableinen und frei geben kann). Wer weiß, dass er nicht alle zwei Meter stehenbleiben darf, um zu schnüffeln, muss auch nicht alle zwei Meter fragen und über ein Nein frustriert sein (was ja nicht heisst, dass ich nicht an beliebten Stellen bewusst Stehenbleiben und die Leine lang lassen kann).

Klar ist das nicht so ganz einfach mit einem Welpen an der Leine - daher war bei uns die Leine zu Anfang auch immer nur minutenweise dran. Denn WENN sie dran war, dann hiess das auch: Mitkommen! Ohne Wenn und Aber. Wenn man deutlich flott, aufrecht und "Augen geradeaus" geht, ist es für den Hund einfacher, zu erkennen, dass es jetzt weitergeht. Bloss nicht zum Hund hindrehen, immer schön in Bewegungsrichtung. Bis zur nächsten Pause.

Inzwischen ist Blacky wirklich zuverlässig an der Leine. Leine dran heisst für ihn: angepasst laufen, ob am Pferd, Rad oder zu Fuß. Das heisst nicht, dass er immer perfekt ist und niemals zieht. Eine Erinnerung braucht er auch manchmal. Aber er weiß, worum es geht, er hat nicht die Erwartung, dass er mit Ziehen doch noch dahin kommt, wo er hin will.  Daher ist er auch nicht frustriert, wenn er keinen Erfolg hat. Es ist eben einfach der Lauf der Welt.

Mehr zum Thema:
Nicht Ziehen!
Nicht Ziehen Teil 2

Das Leben mit Hund ...

Das Bett ist besetzt. Der Kühlschrank ist voll. Die Schuhe sind dreckig. Auf dem Teppich liegen merkwürdige Sachen. 
Der Hund ist glücklich. Ich auch.

Tiere vergiften ist kein Kavaliersdelikt!

Eine gute Nachricht - eine Richterin, die auch das Leben von Tieren wertschätzt.

Eine Richterin am Bad Dürkheimer Amtsgericht wollte ein Zeichen setzen: Sie verurteilte einen Mann zu einer fetten Geldstrafe, weil er versucht hatte, eine Katze zu vergiften.




Gassi-Statistik

Man wird ja manchmal gefragt, wie viel, wie oft, wie lange man Gassi geht. Ich kann das gar nicht  beantworten - es ist von Tag zu Tag verschieden. Ich habe nun mal eine Woche lang Buch geführt, vom 1. bis 7. November. Da war alles an Wetter dabei - von strahlendem Herbsttag bis strömenden Regen, freie Tage, Bürotage, Home-Office-Tage... im Großen und Ganzen eine recht normale Woche.
Jetzt zur Früh-Dunkel-Winterzeit gehe ich - zumindest war es in dieser Woche so - meist nur zweimal am Tag richtig raus, sonst nur schnell mal vors Haus zum Pinkeln (was nicht in die Statistik eingeflossen ist, genauso wenig wie Dabeisein am Stall).

Und hier das Ergebnis. Ich war mit Blacky in dieser Woche unterwegs:

5 1/2 Stunden und 24 km zu Fuß
5 1/2 Stunden und 32 km auf dem Pferd 
3 Stunden und 34 km mit dem Fahrrad

Also im Durchschnitt 2 Stunden und knapp 13 km pro Tag (wobei der Hund natürlich mehr Kilometer zusammenbekommt als ich, vor allem, wenn ein Kumpel zum Rennen und Toben dabei ist).

Der längste Ausflug am Stück und das längste Gesamt-Gassi pro Tag mit 3 Stunden waren 2 3/4 Stunden Ausritt (17 km) an Allerheiligen, plus 15 Minuten Mini-Runde am Abend.
Die kürzeste Gesamt-Gassi-/Ausritt Zeit war am Mittwoch (Büro und strömender Regen) mit 1 Stunde 15 Minuten, verteilt auf 25 Minuten Spazierengehen und 50 Minuten Reiten.

Was sagt uns das? Keine Ahnung. Blacky und ich sind jedenfalls ganz zufrieden. Mal sehen, was die Statistik im Frühjahr sagt. Ich kann's kaum erwarten!





Mir fehlen die Worte

Eine Kleinanzeige. Einmal Cornflakes im Hals stecken geblieben beim Frühstück.... Wie verblendet können "Züchter" oder besser Hundevermehrer eigentlich sein...?



Sonntags-Menschen-Alarm

Wir nenen sie die Sonntagsmenschen. Wochenende, Wetter schön, alle kommen aus ihren Löchern... es sei jedem gegönnt aus ganzem Herzen. Ich frage mich nur immer, wo sind die sonst alle...? Aber nach ein paar besonders merkwürdigen Begegnungen bin ich dann doch immer froh, dass man die meiste Zeit des Jahres seine Ruhe hat.
Blacky und ich sind heute gemütlich bei schönstem Sonnenschein die 10 km zum Stall und wieder zurück geradelt, auf Radwegen, Feldwegen, Waldwegen, soviel Gelegenheiten zum Üben - Ausweichen, Seite wechseln, Absitzen, Fuß gehen, Leine dran, Leine ab. Stört mich auch nicht.

Schluß mit Doodle!

Warum bekommen Pudelmixe immer so bescheuerte Namen? Cockapoo und Doodle, ist doch albern. Ich hab da ein paar bessere Ideen :-)

Punscher = Pudel + Pinscher
Pups = Pudel + Mops
Pullie = Pudel + Collie

und so weiter...

Puferhund
Puckel
Pussie
Pudermann
Pudador
Pundhund
Puppet
Pudiel

Puh!







Tendenzen

Menschen sind solche Schwarz-Weiß Denker. Alles oder Nichts. Ganz oder gar nicht. Klappt oder klappt nicht.

"Das hab ich probiert, hat nicht funktioniert!" Eine typische Hundehalter-Aussage. "Da kann ich mit der Leberwurst wedeln soviel ich will, wenn er einen anderen Hund sieht, interessiert ihn das nicht!" - "Egal, wieviel ich Leinenführigkeit übe, er zieht trotzdem!" - "Ich belohne ihn ja eigentlich oft, aber es ändert nichts!"

Es hilft, den Blick für die kleinen Dinge zu schärfen. Für winzige Fortschritte, für Tendenzen. Nuancen. Graustufen. Und dann gezielt nach dem Faktor zu suchen, der diesen Fortschritt, egal wie klein, verursacht hat. Und den Faktor dann steigern ins 150fache.

Also nicht: "Ich hab dreimal toll belohnt,  und er ist mir wieder abgezischt, also bringt die tolle Belohnung nichts!"
Sondern: "Seit ich hochwertiger belohne, hat er schon dreimal super auf den Rückruf reagiert, vorher hat er fast nie direkt reagiert" Und dann statt dreimal zu belohnen, 500 mal belohnen, und nicht nur mit ein bisschen Leberwurst, sondern mit der halben Tube. Sehen, ob man das kleine zarte Pflänzchen Fortschritt päppeln und aus der Tendenz einen Trend machen kann - und irgendwann die Normalität.

Zwergenwuchs und Gigantismus

Der Trend geht zum Extrem. Teacup-Chihuahuas und Riesenbernhardiner... Immer größere, immer schwerere Show-Labbis... wo ist der schlanke, flinke, mittelgroße Labrador von früher geblieben? Der Boxer, der Dalmatiner - heute laufen einem da große, kräftige Hunde über den Weg, die ich früher als schlank und eher mittelgroß kannte. Und was ist aus dem Dackel geworden - heute sind viele Dackel so winzig und so kurzbeinig, dass sie kaum noch etwas gemeinsam haben mit dem Hund meiner Kindheit.

https://dogbehaviorscience.wordpress.com/2012/09/29/100-years-of-breed-improvement/
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Großpudel, die aus dem Maß gewachsen sind, also über den 60 cm Obergrenze (+2 cm Toleranz), sind nicht selten. Einen Großpudel um die 50 cm (bei 45 cm verläuft die Grenze zum Kleinpudel) findet man nur schwer - ebenso wie einen Kleinpudel, der über 35 cm hat.

Daher bin ich ja beim Mittelpudel gelandet. Mittelgroß: das heisst für mich 40-50 cm, kniehoch. Blacky ist natürlich prompt "zu groß" geworden - 53 cm, macht das aber durch seine schlanke Linie wieder wett. Der Hund besteht ja quasi nur aus Beinen, wirkt also nicht so groß, wie er ist.

Warum bei so vielen Rassen zum Extrem hin gezüchtet wird, verstehe ich überhaupt nicht.  Die allermeisten Leute bevorzugen ja die mittlere Größe. Aus gutem Grund.

Ein Hund, der auf den Schoß, im Bus unter den Sitz, im Auto in den Fußraum passt. Den man eine Treppe hochtragen oder alleine auf den Tierarzttisch heben kann. Der im Bett schlafen kann, ohne dass es eng wird. Wegen dem man kein neues Auto kaufen muss, wenn man neben dem Hund auch noch den Wochenendeinkauf transportieren möchte. Kleinere Hunde sind großen, schweren Vertretern in punkto Ausdauer, Hitzetoleranz und auch Langlebigkeit meistens überlegen.

Aber eben auch kein Kleinhund, der übersehen wird, mit dem man oft von anderen Hundehaltern nicht ernst genommen wird. Der einfach vom nächsten Tutnix plattgewalzt wird. Ich liebe kleine Hunde - aber ich weiß nicht, ob ich selbst entspannt genug geblieben wäre, den Kleinen nicht zum hysterischen Angstkläffer zu machen.

Der Trend zum Extrem in der Hundezucht, auch bei der Größe - ich finde es nicht nur generell bedenklich, was die Gesundheit der Hunde angeht, sondern auch einfach dumm. Warum züchten so viele wissentlich und absichtlich an den Wünschen und Bedürfnissen der zukünftigen Halter vorbei? Ohne Käufer kann auch keine Zucht fortbestehen. Egal, wie toll die Noten auf der Ausstellung sind.