Pudeltreffen

 

Ein Treffen der Glückspudelfamilie (und Ableger). Bei schönstem Sonnenschein an Main und Rhein entlang. Blacky trohnt in der Mitte - und man sieht ihm an: So nett das Treffen für die Menchen, so überflüssig fand er das. Aber was tut man nicht alles....
















Hier sieht man den Vergleich zu seiner Wurfschwester Ronja. Wo bei Blacky der Großpudel-Opa durchschlägt, ist Ronja deutlich kleiner geraten.

 

Mir hat das Treffen mal wieder Anlass zum Nachdenken gegeben. Dass Blacky auf große Gruppen und fremde Hunde inzwischen verzichten kann, ist mir ja schon öfter aufgefallen.
Seine jugendliche Begeisterung für alle Artgenossen hat er defintiv verloren, ausgewählte Gassi-Kumpels sind ihm lieber, nur selten erwärmt er sich für neue Bekanntschaften. Nicht ungewöhnlich für einen erwachsenen Hund. Begegnungen mit fremden Hunden machen ihm aber auch nichts weiter aus.

Außer es gibt Zoff. Blacky hat noch nie Streit angefangen, aber als unkastrierter Rüde wird er mitunter zur Zielscheibe für andere intakte Rüden. Dann möchte er weiträumig ausweichen und nie (NIE!) wieder irgendwas mit dem anderen zu tun haben.

Das ging aber diesmal nicht. Ich kann ja nicht einfach die ganze Gruppe stehenlassen... Oder? In den Tagen nach dem Treffen habe ich viel über meine Prioritäten, meine Verpflichtung gegenüber meinem Hund, über Vertrauen und Verlässlichkeit nachgedacht. 

Der erste Angriff kam - für mich - aus dem Nichts. Der zweite war mein Fehler: Blacky wollte Abstand halten, ich wollte ihn an dem (in meinen Augen ganz ruhig und brav absitzenden) "Feind" vorbeiführen - und Zack, zweiter Angriff. Klar, es war nur laut. Es gab keine Verletzungen. Ich konnte den Kerl am Halsband runterpflücken. Aber trotzdem: Hätte ich auf meinen Hund gehört, wäre das nicht passiert (bzw. wären wir schon längst wieder auf dem Heimweg gewesen...).

Spätestens danach war für Blacky der Spaß vorbei. Der ganze Hund war verhalten, gehemmt, musste die ganze Zeit Ausschau halten, sich ständig vergewissern, wo der andere ist - Frauchen war ja offensichtlich zu blöd dazu, den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Und zu höflich, darum zu bitten, den anderen Hund anzuleinen... 

Es ist nichts passiert. Es war alles halb so wild. Trotzdem hat es mich eine Menge Punkte auf dem Vertrauenskonto gekostet - das wurde mir später erst klar. Gott sei Dank habe ich mir, hoffe ich, in der Vergangenheit genug Punkte verdient, um mir das mal leisten zu können. 

ABER eins bleibt: Ich habe meinen Hund im Stich gelassen. Meine Priorität war, einen netten Nachmittag mit anderen Menschen zu verbringen, nicht unhöflich zu sein, nicht überermpfindlich zu wirken, kein Drama zu machen, mich nicht anzustellen. Auf Kosten des Hundes. Das musste ich mir im Nachhinein ganz klar eingestehen, und das hat mir einen Stich versetzt.

Ich denke, es ist kein Weltuntergang, wenn man die eigenen Bedürfnisse und Wünsche auch mal vorne anstellt. Aber man sollte dabei ehrlich bleiben und sich die ganze Geschichte nicht schön reden wollen. Sich nicht selbst eins von "das ist doch normal" oder "es ist ja kein Blut geflossen" erzählen. Es gibt sicherlich Hunde, die es problemlos abkönnen, sich mal mit einem anderen Hund zu zoffen. Blacky gehört nicht dazu. Er möchte ausweichen, und ich habe das nicht zugelassen. Punkt.

Auf der anderen Seite hat mich das Ganze wieder bestärkt in meiner Strategie. Kein "Die machen das unter sich aus". Meine Devise ist und bleibt: "Bei mir bist du sicher!" 
Auch, wenn ich diesmal versagt habe.... 

Kommentare:

  1. Bei mir war es auch ein Entwicklungsprozess. Als wir Socke zu uns holten besuchten wir einmal im Monat ein Rassehundetreff. Socke war von Anfang an nicht begeistert, zog aber mit. Insbesondere, wenn wir vollständig an den Treffen teilnahmen und Socke zumindest im Fokus von einem von uns stand. Wie Du schriebst, man möchte nicht unhöflich sein und sich mit den anderen austauschen.

    Aber es wurde nicht besser, Socke mochte die Treffen mit den vielen und vor allem stets neuen jungen Hunden einfach nicht, so dass ich mich entschlossen habe, dort nicht mehr hinzufahren. Ich habe den Austausch immer sehr genossen, aber Socke zuliebe verzichte ich darauf. Dabei hat es bei Socke keine Zankereien gegeben, aber sie zog sich sehr zurück, war verhalten und lustlos.....

    Ich finde Deine Gedanken hier also absolut nachvollziehbar, wobei ich denke, dass Blacky Dir nicht böse ist, dass Du einmal nicht aufgepasst hast. Unsere Hunde können uns vie besser verzeihen als wir denken. Und ich glaube auch, dass uns . nicht böswillig - immer wieder Fehler passieren.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  2. Hallo Sibylle,
    ich habe in den letzten Jahren auch vermehrt darüber nachgedacht, was ich meinen Hunden antue wenn ich auf den Hundeplatz gehe. Cutie findet es dort total blöd, die immer wieder wechselnden Rudel mag sie gar nicht. Sind mal zwei drei Stunden hintereinander dieselben Hunde da, entspannt sie sichtbar. Aber spätestens in der nächsten Woche kommt wieder ein neuer. Warum tue ich ihr das an? Weil es sein muss? Definitiv "nein" weil ich dort Spaß habe? Das werde ich überdenken.
    Auf einem Seminar fragte ich einen Trainer(Krasemann), was ich mit einem solchen Hund machen soll und er war der erste der sagte "zu Hause bleiben". Ich fand es wohltuend.
    Ich hatte eine völlig freie und äußerst spielfreudige Smilla, es war Seminar mit Sophie Strodtbeck und wir gingen alle entspannt und mit lockeren Hunden um's Gelände. Dann kam uns eine mit zwei Aussies entgegen. Ich Honk! ich kannte die Frau und sie taucht immer nur in den "Problemhundestunden" auf. Aber bisher war doch alles so gut gegangen! Einer der Aussies stürmte zwischen uns und die spielende Hundegruppe, Smilla erschreckte sich und konnte nicht zu mir, in der Hilflosigkeit rannte sie einfach los und der Aussie hinterher. Knurrend und geifernd, ich wäre auch nicht stehen geblieben. Es hat mehr als zehn Minuten gedauert bis die schlotterne Smilla mich endlich wiedergefunden hatte und ich habe genau das empfunden, was Du beschrieben hast. Ich habe sie nicht beschützt, ich habe nicht richtig reagiert, ich war kein verlässlicher Rudelführer. Und seither war ich nicht mehr auf dem Hundeplatz, seither denke ich, was tut man seinen Hunden an, die einen vertrauensvoll begleiten. Man kann nicht alle anderen Halter und ihre Hunde einschätzen. Man geht davon aus, dass jeder der seinen Hund frei laufen läßt, ihn auch einschätzen kann. Das ist definitiv nicht so. Jener Aussie hat sich eine Stunde später den Chihuahua von Sophie geschnappt und nur das beherzte Eingreifen mehrerer Leute hat Schlimmeres verhindert. Und die Halterin hat ihn immer noch nicht an die Leine genommen. Dieser Tag hat mich extrem nachdenklich gemacht. Ich kann auch ohne Hund zum Seminar gehen und ob es wirklich nötig ist dass er tausend andere Hunde kennenlernt finde ich auch zweifelhaft. Ein Rudeltier findet seine Sicherheit im gewohnten sozialen Umfeld und ist nicht dafür konstruiert ständig wechselnde "Freunde" zu haben. Es gibt sicher Hunde die das mitmachen, hat man aber einen, der das nicht mag, soll man das durchaus respektieren.

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  3. Danke für eure Kommentare! Es ist gut zu sehen, dass andere ähnliche Erfahrungen machen und man nicht selbst total überempfindlich ist...

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Danke! Ich werde den Kommentar so bald wie möglich lesen und freischalten.